Die Einrichtung, die wir in Brasilien unterstützen, heißt Grupo Ruas e Praças.
Wofür steht Grupo Ruas e Praças?
1. Streetwork / aufsuchende Straßensozialarbeit
4. Der Kinderhof Centro Educacional VIDA NOVA, Capim de Cheiro?
5. Politische Arbeit und Kooperation mit staatlichen Stellen
Anschrift und weitere Informationen
Wofür steht Grupo Ruas e Praças?
Grupo Ruas e Praças (auf deutsch Gruppe Straßen und Plätze) ist unsere Partnerorganisation in der brasilianischen Millionenstadt Recife. Recife ist die Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco.
Die Gruppe wurde im Jahr 1989 von ehemaligen Mitarbeitern staatlicher Fürsorgeeinrichtungen gegründet. Grund war die Schließung zahlreicher Hilfsangebote für Straßenkinder und die Erkenntnis, dass die Angebote dieser Einrichtungen (Heime etc.) meist zu kurz griffen.
Heute hat die Gruppe 13, der Kinderhof in Capim de Cheiro 7 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie bilden ein multiprofessionelles Team aus Pädagogen, einer Sozialarbeiterin, einer Kunstpädagogin, einer Grundschullehrerin, einem Tanzlehrer, einem Siebdrucker, einem Kunstmaler, einer Krankenschwester, einer Verwaltungsangestellten, einer Köchin, einem Landwirtschaftstechniker und Erziehern und Erzieherinnen.
Ausgangspunkt der Arbeit der Gruppe bildet
1. Streetwork / aufsuchende Straßensozialarbeit
Der Kontakt zwischen Erziehern und Straßenkindern entsteht auf der Straße, dem Lebensraum der Kinder.
Durch spielerische Angebote schaffen die Erzieher ein Vertrauensverhältnis, bei dem sie immer mehr über die Kinder erfahren und so gemeinsam mit den Kindern Lösungsansätze für deren Probleme entwickeln.
Diese Lösungen können ganz verschieden aussehen. Bei manchen Kindern stehen zunächst medizinische Bedürfnisse im Vordergrund, die Erzieher bringen sie zum Arzt oder in eine psychotherapeutische Drogeneinrichtung. Andere sind bereit, in ein Heim zu gehen, so dass ein geeigneter Platz gefunden werden muss. Wieder andere möchten wieder zurück in ihre Herkunftsfamilie brauchen aber Hilfe dabei. Die Gruppe arbeitet hier eng mit anderen Einrichtungen zusammen.
Ca. 80 % der betreuten Kinder und Jugendlichen sind „echte Straßenkinder“, die also nur noch auf der Straße leben.
Etwa 20 % schlafen noch mehr oder weniger regelmäßig bei ihrer Familie, bei ihnen hat die Arbeit einen eher präventiven Charakter. Die meisten dieser Kinder kommen in den Sitz der Gruppe zu regelmäßigen
2. Kulturworkshops
Die Kunstpädagogin der Gruppe bietet einen wöchentlichen Theaterworkshop an, bei dem neben szenischem Spiel auch Musik und Tanz eine große Rolle spielen. Die Kinder denken sich selbst Stücke aus, in denen sie ihre eigenen Erfahrungen kreativ umsetzen. Diese Stücke führen sie auch öffentlich auf, um die Öffentlichkeit auf ihre Problematik aufmerksam zu machen.
Der Workshop beschäftigt sich auch mit den reichen afrobrasilianischen Traditionen und der Volkskunst, die im Nordosten und vor allem im Staat Pernambuco sehr lebendig ist. Das Bild zeigt einen Jungen mit einer selbstgebastelten Handpuppe.
Außerdem bietet die Einrichtung eine Tanzgruppe an und auf dem Kinderhof Capim de Cheiro findet ein wöchentlicher Percussionsworkshop statt.
3. Familienhilfe
Trotz aller Probleme hegen die meisten Kinder den Wunsch, wieder bei ihrer Familie wohnen zu können. Die Sozialarbeiterin der Gruppe versucht, dies zu ermöglichen. Sie besucht die Familien alleine oder gemeinsam mit den Kindern, um herauszufinden, welche Gründe dazu geführt haben, dass das Kind auf die Straße ging.
Dann geht es darum, herauszufinden, ob und unter welchen Umständen eine Rückkehr möglich ist. Lagen die Ursachen vor allem an der wirtschaftlichen Situation oder gab es zu große und zu starke Konflikte innerhalb der Familie?
Ihre Aufgaben reichen von Erziehungsberatung bis zur allgemeinen Lebensberatung .
Sie hilft den Eltern in wirtschaftlichen oder medizinischen Fragen und leistet Hilfestellung bei Behördengängen oder Schulanmeldungen – viele der Eltern sind Analphabeten und ganz einfach hilflos in der Durchsetzung ihrer Ansprüche.
Besonders bedürftige Familien erhalten einen Warenkorb mit Grundnahrungsmitteln.
Um diese Kontaktaufnahme zu fördern, veranstaltet die Gruppe Feste (Muttertag, Weihnachten) und Ausflüge mit den Kindern und Eltern, bei denen sich auch diejenigen wieder in ungezwungener Form einander annähern können, die zuvor keinen Kontakt mehr hatten.
Fast alle auf der Straße betreuten Kinder und Jugendlichen kennen den
4. Kinderhof “Centro Educacional VIDA NOVA”, Capim de Cheiro
Der Hof liegt etwa eine Stunde nördlich von Recife, bereits jenseits der Staatsgrenze im Bundesstaat Paraiba.
Er besteht aus mehreren Wohnhäusern, einem großen Gemeinschaftshaus mit Küche, Büro und Speise-/ Aufenthaltsraum. Vor den Häusern gibt es einen kleinen Platz, den die Kinder „Praça nossa“ (unser Platz) getauft haben. Hier finden jeden Morgen die gemeinsamen Versammlungen und Reflexionen statt, bei dem der Tag besprochen wird und jeder seine Gedanken, Wünsche und auch Beschwerden vorbringen kann. Ein Stück weiter vorne steht das Workshophaus, neben ihm der Hühnerstall.
All diese Gebäude liegen auf einem Hügel, der mit alten Mangobäumen bewachsen ist. Weiter unten liegt ein Bach, in dem gebadet wird.
Die Kinder und Jugendlichen in Capim de Cheiro leben dort in verschiedenen Prozessen. Zu Beginn kamen sie einfach auf den Hof, um dort zu leben. Doch es zeigte sch, dass viele diesen endgültigen Schritt weg von der Straße noch gar nicht wirklich wollten. Viele trugen ihre Konflikte von der Straße mit auf den Hof und nicht selten rissen einzelne, die zurück in die Stadt wollten, die anderen mit.
So entstand die Idee eines Stufensystems.
Alle 14 Tage findet ein Zweitagesprozess statt, man könnte auch sagen, ein Schnupperprozess. Kinder, die zum ersten Mal auf den Hof kommen oder gemerkt haben, dass sie es noch nicht so lang in der fremden Umgebung aushalten, fahren morgens auf den Hof und am Nachmittag des nächsten Tages zurück in die Stadt. Auf dem Hof können sie sich satt essen, ausschlafen, spielen und an Workshops teilnehmen. Wenn möglich werden sie danach zu ihren Familien gebracht. Manche halten es dort nur eine viertel Stunde aus, andere bleiben gleich ganz da.
In der anderen Woche findet im ebenfalls vierzehntägigen Turnus der Fünftagesprozess statt. Die Kinder verbringen eine ganze Woche von Montag bis Freitag auf dem Hof.
Die Fünftageskinder sind sich schon sicher darin, dass sie weg wollen vom Straßenleben. Im Mittelpunkt des Fünftagesprozesses steht der gemeinsame Alltag. Regeln des Zusammenlebens sind besonders wichtig: Jeder wäscht sein Geschirr ab, es wird in der Küche geholfen, die Zimmer und Bäder müssen geputzt werden. Sie nehmen an der Landwirtschaft und an den Workshopangeboten teil. Nach Ablauf der fünf Tage, kehren manche der Kinder zunächst auf die Straße zurück, andere gehen zu ihrer Familie, manche gehen in ein Heim und manche wechseln hinüber in den Wohnprozess. Wenn die Kidner beim ersten Mal noch nicht bereit sind, dieses neue Leben zu beginnen, so können sie erneut an dem Fünftagesprozess teilnehmen.
Die Kinder des Wohnprozesses sind schon ein ganzes Stück vorangekommen auf ihrem Weg weg von der Straße. Sie leben jetzt auf dem Hof und besuchen die Schule des Ortes Caaporã, wo sie auch andere Kinder und Jugendliche kennen lernen. Die älteren unter ihnen machen Praktika in der Umgebung oder besuchen eine Berufsschule.
Regelmäßig gehen sie in eine Therapiegruppe in Recife. Sie werden ermuntert jedes zweite Wochenende bei ihren Familien zu verbringen.
Doch wie sieht der Tagesablauf auf dem Hof aus?
Der Vormittag gehört der Landwirtschaft. Auf dem Hof werden Mangos, Maracuja, Papayas, Bananen, Kokosnüsse, Cashewbäume, Acerolakirschen, Orangen, Limonen, Paprika, Maniok, Yamswurzeln, Bohnen, Süßkartoffeln, Salat, sowie für uns gänzlich unbekannte Gemüsesorten wie Xuxú und Maxixi angebaut. Die Eier kommen von den eigenen Hühnern. Ein Raum im Haupthaus wurde in eine spezielle Marmeladenküche umfunktioniert, in der die Früchte weiterverarbeitet und so länger haltbar gemacht werden können.
Die Mitarbeit in der Landwirtschaft fördert das Verantwortungsbewusstsein für den Hof und schafft ein Bewusstsein für die Natur und Lebenszyklen. Die Erzeugnisse werden in der eigenen Küche verwertet und Überschüsse auf dem Markt verkauft.
Nachmittags stehen dann verschiedene Workshops und Hausaufgabenbetreuung an. In den Workshops wird getrommelt, getanzt, gemalt oder gebastelt. Alle Workshops stehen unter bestimmten Themen. Diese umfassen kulturelle Themen, wie Tänze, Feste oder Musik, politische Themen, wie die Menschen- und Kinderrechte bis hin zu sozialen, medizinischen oder ökologischen Themen, wie Gewalt, Sexualität, Drogen, AIDS oder Müll.
Eine besondere Bedeutung haben berufsvorbereitende Workshops bei denen den Kindern bestimmte Grundkompetenzen und handwerkliche Kenntnisse beigebracht werden, die sie in der Schule nicht erhalten. Dies beinhaltet z.B. Siebdruck oder einen geplanten regelmäßigen Computerworkshop, bei denen den Kindern und Jugendlichen grundlegende Medienkompetenz vermittelt werden soll.
Um den Kindern nicht nur unmittelbar individuell zu helfen, sondern auch nachhaltig auf die Verbesserung ihrer Lebensumstände hinzuwirken, bildet das letzte wichtige Betätigungsfeld der Gruppe ihre
5. Politische Arbeit und Kooperation mit staatlichen Stellen
Die Kinder und Jugendlichen, die von der Gruppe betreut werden (sowohl auf der Straße, als auch in Workshops und auf dem Hof) treffen sich regelmäßig in sogenannten Basisgruppen (Núcleos de Base) der nationalen Straßenkinderbewegung (Movimento Nacional does meninos e meninas de rua/MNMMR).
In diesen Gruppen diskutieren sie über ihre Probleme und darüber, wie sie sich eine Lösung vorstellen. Die einzelnen Gruppen wählen außerdem Vertreter, die sie auf regionaler Eben vertreten. Gemäß dem föderalen Prinzip werden dort ebenfalls Vertreter für die Treffen auf bundesstaatlicher und nationaler Ebene gewählt.
Sie repräsentieren ihre Gruppe und tragen deren Nöte und Vorschläge nach außen und innerhalb der Organisation weiter.
Gleichzeitig kämpfen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gruppe gemeinsam mit der Straßenkinderbewegung für die Kinder- und Menschenrechte.
Sie suchen den kritischen Dialog mit der Politik und mit Behörden. Hierzu gehören auch Diskussions-, Kooperations- und Weiterbildungsangebote an staatliche Fürsorgeeinrichtungen und die Polizei, die dort zum Teil auf offene Ohren stoßen, zum Teil aber auch völlig ignoriert oder gar abgelehnt werden.
Die Kommandantin eines Bataillons der Militärpolizei beispielsweise schickt Ihre Polizisten regelmäßig zur Weiterbildung bei der Gruppe und der Bewegung, während andere Einheiten nach wie vor versuchen, die Arbeit auf der Straße zu behindern, indem sie grundlos Ausweiskontrollen durchführen und den Streetworkern raten, hier nicht weiter zu arbeiten.
Weitere gelungene Kooperationen konnten im Bereich der Bewährungshilfe aufgebaut werden, wo die Sozialarbeiterin der Gruppe Jugendliche begleitet, die wegen einer Straftat verurteilt wurden und deren Haftstrafe unter bestimmten Auflagen ausgesetzt wurde („Liberdade assistida“).
Die Leiterin der Gruppe ist derzeit als gewählte Vertreterin der Nichtregierungsorganisationen Mitglied im kommunalen Jugendhilfeausschuss COMDICA.
Traditionell findet zum Karneval der Umzug aller Nichtregierungsorgisationen der Straßenkinderbewegung, auf dem sie Ihre Forderungen in die Öffentlichkeit tragen, statt.
Eine andere Großveranstaltung ist "Der Schrei der Ausgeschlossenen" (O grito dos excluidos), der landesweit parallel zu den offiziellen Militärparaden zum Unabhängigkeitstag stattfindet. Im Jahr 2001 nahm zum ersten Mal der Oberbürgermeister von Recife Joao Paulo (von der Arbeiterpartei PT, der auch der neue brasilianische Präsident LULA angehört), an der Veranstaltung teil, was von den Straßenkindern mit einem extensiven Fotoshooting honoriert wurde.
Rua Capitão Lima N.20
Santo Amaro, Recife – PE
CEP: 500 40-080
Brasilien
Telefon: 0055-81-3-2314388
gruporuasepracas@bol.com.br
Wenn Sie das Konzept der Gruppe interessiert, können Sie das Buch "No meio da Rua" von Grupo Ruas e Praças über Grupo Ruas e Praças bestellen.
Mailen Sie uns dazu Ihre Adresse und überweisen Sie 10 € auf unser Konto: Nr. 50 52 792 bei der Sparkasse Starkenburg, BLZ 509 514 69 mit dem Vermerk "Buch".
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